Symposion
Fotografien, Video von Qi Yang
Mythos Arbeit – China/Deutschland
11. September 2010

artFABRIK-Galerie veranstaltet ausstellungsbegleitend ein Symposion zum Thema Mythos Arbeit – China/Deutschland:

am Samstag, 11. September 2010 von 11.00 Uhr bis ca. 16.00 Uhr

Moderator und Vortragender:
Dr. Milan Chlumsky, Journalist für u.a. Zeit, Kunst : Art, RNZ, Atelier, Fotografie:
„Arbeit in der Fotografie: Glorifizierung, Fluch, Kunst?“

mit Beiträgen von:
Zhengrong Liu, Leiter Personalwesen Lanxess AG:
„Wert(e) der Arbeit“

Dr. Johannes auf der Lake, Kurator und Vorstandsmitglied des Düsseldorf Malkastens:
„Kunst = Arbeit?“

Dr. Cord Eberspächer, Direktor des Konfuzius-Instituts Düsseldorf:
„Begehrte Arbeiter. Das deutsche Kaiserreich und die chinesischen Kulis“

Prof. Dr. Helmolt Vittinghoff, Lehrstuhl Sinologie, Universität Köln

Es spielt:
Xu Fengxia an der Guzheng (klassisches chinesisches Zupfinstrument)

Öffnungszeiten:
Die Ausstellungen der Galerie sind täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet und kostenlos zugänglich. Besucher sind herzlich willkommen.

Ausgangspunkt des Symposions sind die Bilder Qi Yangs. Man sieht Fotografien von Menschen die auf der Straße kochen. Hinter ihnen dominiert ein großes gleißendes Licht, das die Menschen beinahe unwirklich, wie inszeniert aussehen lässt. Und doch befinden wir uns inmitten einer Realität, die dem Künstler durch die Absurdität der Situation ins Auge gesprungen ist und die er spontan und unmittelbar in vielen Fotos dokumentiert hat.
Ärmliche Menschen bereiten im Licht einer vorübergehend nicht bespielten Leucht-Werbefläche Essen zu und verkaufen ihre Speisen, um sich und ihre Familien ernähren zu können.

Wie anders stellt sich der Broterwerb dagegen in Deutschland dar. Wer keine Arbeit hat, wird von einem sozialen Netz aufgefangen, es entgeht ihm jedoch eines der wichtigsten Statussymbole der Gesellschaft. Eine Garküche auf einer deutschen Straße mitten im Straßenverkehr? Undenkbar! Sofort würden vom Gesundheits- bis Ordnungsamt eine Vielzahl bürokratischer Prozesse in Gang gesetzt.
Der direkte Zusammenhang von Arbeit als Grundlage zum Überleben ist hierzulande immer abstrakter geworden, zum Glück einerseits – bedenkenswert andererseits.
Aktuelle Diskussionen – Hartz IV in dritter Generation, Alleinerziehende und Ansprüche auf Kindergartenplatz, Quotenregelungen in Manageretagen rücken ins Bewusstsein. Vor den Fotografien Qi Yangs jedoch geraten sie in eine neue Betrachtung, rücken im wahrsten Sinne des Wortes in ein anderes Licht.

Das Symposion wird Unterschiede wie diese stärker beleuchten, zum Nachdenken und Diskutieren über Arbeit in zwei sehr verschiedenen Kulturkreisen anregen und so unser Bild vom Broterwerb schärfen.
Dass sich die Galerie in ehemaligen Fabrikhallen befindet und Bezüge zu Friedrich Engels historisch nachweisbar sind, verdichtet die Wahrnehmung des Themas zusätzlich.